Mario Sedlak
Geld
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Kosten von regionalen Produkten

Zahlungsbereitschaft

Fast jeder 2. Konsument sagt: "Ich bin bereit, für Lebensmittel aus meiner Region auch mehr Geld auszugeben."[1] Preisaufschläge für regionale Produkte von mehr als 15% werden in der Regel aber nicht toleriert.[2]

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Bio-Marmelade aus Österreich

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Bio-Marmelade unbekannter Herkunft, genau halb so teuer

Tatsächliche Kosten

Leider kostet heimische Bio-Erdbeermarmelade doppelt so viel wie die billigste vom Weltmarkt. Das wird bei Apfelsaft, Ketchup, Fischfilets, Fertigsemmeln zum Aufbacken, getrocknetem Gemüse in Fertigsuppen, Erdbeeren in Joghurt usw. ähnlich sein. Tatsächlich kommt all das zu bis zu 90% aus Billiglohnländern wie China,[3] obwohl es auch bei uns verfügbar wäre. Die genannten Produkte wären mit heimischen Zutaten aber niemals so billig.

Der Preis hat mich schon immer stutzig gemacht: Frische Bio-Himbeeren kosten sogar zur Hauptsaison mehr als tiefgekühlte. Nur am höheren Verderb kann das nicht liegen, denn das Tiefkühlen kostet auch Geld. Auf einer Packung mit tiefgekühltem Brokkoli, Karfiol und Romanesco (grüner Karfiol) steht sogar drauf, dass das Gemüse aus Ecuador stammt.

Die Käufer sind meistens entsetzt, wenn sie erfahren, dass die eigentlich heimischen Zutaten um den halben Globus herangekarrt werden. Die Hersteller und Händler sind aber in der Zwickmühle, denn wenn sie den Wunsch nach regionalem Ursprung erfüllen, dann steigt der Preis über die 15%-Schmerzgrenze. Deswegen ist es logisch, dass sie die wahre Herkunft der Produkte verschweigen.

Mein Fazit

Gerade da, wo regionaler Konsum sehr sinnvoll wäre, scheitert es am Geld. Der scheinbare Massentrend entpuppt sich als Luftnummer.

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Quellen

[1] Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL): Sächsische Lebensmittel regional vermarkten – eine Bedarfs-, Potenzial- und Machbarkeitsstudie (PDF, 7 MB), S. 12 (Abb. 6)
[2] A. T. Kearney: Lebensmittel: Regional ist gefragter als bio (PDF, 2 MB), S. 7
[3]
  • News, 13.12.2012, S. 18–23
  • WAZ: Beitrag vom 10.10.2012 – "ein in China produzierter Tiefkühl-Brötchenrohling [kostet] 15 Cent statt 35 Cent"