Mario Sedlak
Strommarkt
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Stromkennzeichnung von Pumpspeicherkraftwerken

2011 habe ich immer häufiger die Behauptung gelesen, Pumpspeicherkraftwerke würden Atomstrom einkaufen, damit das Wasser in den Stausee hochpumpen und beim späteren Ablassen den zurückgewonnenen Strom als "reine Wasserkraft" verkaufen. Das wäre ein schwerer Mangel der Stromkennzeichnung.

Ich habe bei der Regulierungsbehörde E-Control, welche die Einhaltung der Stromkennzeichnungsregeln überwacht, nachgefragt, ob diese wundersame Umwandlung von Atomstrom in Wasserkraftstrom tatsächlich möglich ist. Die Antwort ist Nein. Zu begründen ist das mit folgenden Gesetzesstellen:

Die Stromkennzeichnung wird von § 78 und § 79 des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes geregelt. In § 79 Absatz 7 heißt es:

Als Nachweis für Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern werden ausschließlich Herkunftsnachweise gemäß § 8 und § 9 des Ökostromgesetzes bzw. gemäß den Bestimmungen in Art. 15 der EU-Richtlinie 2009/28/EG anerkannt.

Die für § 8 und § 9 des Ökostromgesetzes relevante Definition ist in § 5 gegeben, wo es ausdrücklich heißt:

ausgenommen ist elektrische Energie, die als Ergebnis des Pumpvorganges zum Zweck der Speicherung in Speichersystemen gewonnen wird

Die gilt also nicht als erneuerbare Energie!

Möglicherweise bestand die Lücke früher – es wurden und werden immer noch Schlupflöcher geschlossen –, aber große Bedeutung wird sie nicht gehabt haben, da man Wasserkraft-Zertifikate als Herkunftsnachweise fast gratis aus dem Ausland kaufen konnte, um damit den eigenen Strom zu kennzeichnen (Kritiker sagen: umzuetikettieren).

Die Stromkennzeichnung erfüllt aus mehreren Gründen nicht den angestrebten Zweck, aber hinsichtlich der Behauptung, dass Pumpspeicherkraftwerke "Atomstromwaschmaschinen" sind, kann Entwarnung gegeben werden.

Zuzugeben ist, dass durch das Verpumpen von Strom weniger Strom an Endkunden verkauft als erzeugt wird. Das bedeutet, dass der Anteil von "sauberem Strom", der auf den Stromrechnungen ausgewiesen wird, etwas größer als in Wirklichkeit ist. Auch die ca. 5% Netzverluste tragen zu dieser scheinbaren Verbesserung des Strommixes bei. Gedanklich gehen genau die "schmutzigsten" Teile des Strommixes auf dem Weg bis zum Kunden verloren; die "saubersten" niemals, denn die will man ja gegen Aufpreis an zahlungsbereite Kunden verkaufen. Aber da es für die relativ wenigen zahlungsbereiten Kunden einen
gigantischen Überschuss an sauberem Strom gibt, ist auch diese Verzerrung unbedeutend.

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Rechnerische Umverteilung von Strom