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Arbeiten der Tagesmutter mit meinen Kindern

Meine Erfahrung mit dem Tageselternzentrum

Im Jahr 2021 habe ich meine Zwillinge (1 1/2 Jahre alt) bei einer Tagesmutter vom Wiener Tageselternzentrum angemeldet. Ich hätte nicht gedacht, dass ich gerade bei so einer Einrichtung abgezockt werde.

Kennenlernen

Meine Kinder haben sich bei der Tagesmutter gleich wohlgefühlt und die vielen Spielsachen ausprobiert. Es war ein angenehmer Termin ohne Zeitdruck.

Vertragsunterzeichnung

Zur Vertragsunterzeichnung musste ich persönlich zur Tagesmutter kommen. Pro Kind ist das ein Vertrag und diverse weitere Zettel. Ein ziemlicher Papierkrieg: 13 Mal habe ich meine Anschrift geschrieben. Von den 7 Unterschriften habe ich eine vergessen. Da es auch der Tagesmutter nicht aufgefallen ist, musste ich nochmals zu ihr kommen.

Wenn man will, könnte man das wohl vereinfachen. Es werden kaum 13 Mal die gleichen Daten benötigt. Es wäre auch kundenfreundlich, wenn alle losen Zettel zu einem einzigen Vertrag mit nummerierten Anlagen gebündelt würden.

Eingewöhnung

Am 2.8.2021 startete die Betreuung. Die ersten Tage blieb ich oder meine Frau anwesend (jedoch passiv). Die ersten 2 Wochen war die Stundenzahl reduziert (nicht jedoch die Kosten). Meine Kinder schienen von Beginn an keinerlei Problem damit zu haben, dass sie ohne Eltern bei der Tagesmutter sind! Dennoch hielt die Tagesmutter "zur Sicherheit" am Eingewöhnungsplan fest. Ansonsten könne es plötzlich doch Probleme geben.

Im ersten Monat haben wir die Kinder ausschlafen lassen, um die Eingewöhnung zu erleichtern. Zu meiner Überraschung war die Tagesmutter nicht erfreut darüber, weniger arbeiten zu müssen. Angeblich kann die Stadt Wien den Förderzuschuss reduzieren, wenn wir die vereinbarte Stundenzahl (33/Woche) zu stark unterschreiten. (Im Vertrag steht hingegen, dass die Stadt Wien die Betreuung von Kindern unter 3 1/2 Jahren ab 16 Wochenstunden mit einem Fixbetrag von 268,55 € fördert.)

Laufende Betreuung

Meine Kinder sind immer gern zur Tagesmutter gegangen. Auch die Tagesmutter freute sich sichtlich über die Kinder. Sie hat mit ihnen gespielt, gebastelt, gekocht uvm.

Vertragskündigung durch den Verein

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Die Tagesmutter hat mein Kind hinter dem Ohr gekratzt.

Am 6.9.2021 hat meine Frau die Kinder von der Tagesmutter abgeholt und zuhause festgestellt, dass eines hinter einem Ohr ganz blutig ist. Meine Frau hat im Iran und auf der Flucht nach Österreich einige Gewalt erlebt und daher eventuell überreagiert, als sie daraufhin im Tageselternzentrum anrief. Sie wollte eigentlich nur hören, dass ihre Ängste unbegründet sind.

Am nächsten Tag erklärte die Tagesmutter, dass sie das Kind auffangen wollte, als es fiel, und es dabei mit ihren Fingernägeln gekratzt hat. Das klang für meine Frau und mich plausibel, und wir vertrauten ihr weiterhin gerne unsere Kinder an, zumal diese überhaupt keine Angst vor ihr zeigten.

Ängstlich reagierte hingegen das Tageselternzentrum: "Aufgrund schlechter Erfahrung" werden alle Eltern, die auch nur in Erwägung ziehen, dass die Tagesmutter bzw. den Tagesvater ihr Kind geschlagen haben könnte, gekündigt! Es habe einen Fall gegeben, wo eine Tagesmutter monatelang nicht arbeiten durfte, weil Eltern Gewalt vermuteten.

Auf der Website des Tageselternzentrums heißt es:

Wir beraten Eltern rund um das Thema Kinderbetreuung bei unseren Tageseltern und sind Anprechpartner für persönliche Anliegen oder Fragen.

Das ist offenbar eine Falle!

Streit um die Einschreibgebühren

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Abschiedsgeschenk der Tagesmutter

Ich kenne keine seriöse Firma, die 200 € Einmalgebühren verrechnet und dann den Vertrag kündigt. Meine Frau und ich sind an der Kündigung nicht schuld; wir haben alle Verpflichtungen erfüllt. Das Tageselternzentrum beharrte jedoch auf dem Vertrag, in dem steht, dass sie unter keinen Umständen Gebühren rückerstatten. Ich ließ daraufhin den Vertrag vom Verein für Konsumenteninformation prüfen. Die dortigen Juristen erachteten die Vorgehensweise des Vereins als "gröblich benachteiligend im Sinne des § 879 Abs 3 ABGB" und rechtlich nicht haltbar.

Damit konfrontiert, zeigte sich das Tageselternzentrum keineswegs einsichtig, sondern ließ einen Rechtsanwalt eine zynische Antwort verfassen, wonach alles seine Richtigkeit habe, "da die Gebühr für eine vollbrachte Leistung bezahlt wird" – als ob ich irgendeinen Nutzen davon hätte, wenn ich nach 3 Monaten neuerlich wo eine Einschreibgebühr zahlen muss. Interessant ist die Begründung:

Diese Gebühr deckt den administrativen Aufwand der Tagesmutter und des Vereins vor Betreuungsbeginn zu einem kleinen Teil ab. Darunter fallen zum Beispiel: die Erstbesichtigung der Wohnung der Tagesmutter, die Erstgespräche, der Vertragsabschluss selbst, das Übermitteln an den Verein, die Aufnahme der Kinder ins Verwaltungsprogramm, die Meldung an die fördernde Behörde MA 10, etc. All diese Leistungen erfolgen vor Betreuungsbeginn und werden mittels Einschreibegebühr abgegolten

Wieso musste ich dann für meine Zwillinge die doppelte Einschreibgebühr zahlen? Weder waren wir zweimal zur Besichtigung noch haben wir uns für jeden Zwilling einzeln beraten lassen. Andere – offenbar seriösere – Anbieter von Tageseltern verrechnen deswegen richtigerweise für Zwillinge nur eine Einschreibgebühr.

Vielleicht würden die Verantwortlichen im Tageselternzentrum meine Position verstehen, wenn sie eine Lebensversicherung abschließen, die dann kurz darauf vom Versicherer gekündigt wird, weil dessen Mitarbeiter "ein schlechtes Gefühl" haben, wobei die Spesen "für die vollbrachte Leistung" unvermindert abgezogen werden, denn schließlich hatten sie ein nettes Gespräch mit dem Versicherungsvertreter usw.

Ursprünglich dachte ich, dass das Tageselternzentrum von einer Eltern-Selbsthilfegruppe geführt wird, die halt auch mal Fehler macht. Nun habe ich den Eindruck, dass sich der Verein "Eltern für Kinder", zu dem das Tageselternzentrum gehört, alles für ihn Wünschenswerte in den Vertrag geschrieben hat, wohl wissend, dass Kinderbetreuungsplätze schwer zu finden sind und Eltern daher so ziemlich alles unterschreiben.

Mein Fazit über das Wiener Tageselternzentrum

Die Kinder werden liebevoll betreut – die Eltern weniger.

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Eltern für Kinder Österreich