Mario Sedlak
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Torfmoos

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Schichten eines Moors

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Trockengelegte Moorfläche in Vorarlberg

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Moor bei Litschau (Niederösterreich)

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Heidenreichsteiner Moor (Niederösterreich)

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Hochmoor Schrems (Niederösterreich)

Moor

Moore sind ständig feuchte Biotope, in denen spezielle Pflanzen wie Torfmoos wachsen. Torfmoos macht das Wasser sauer, sodass die meisten anderen Pflanzen nicht gedeihen können.

Das Besondere an einem Moor ist, dass laufend neuer Boden aufgebaut wird. (Dieser Boden wird Torf genannt.)

Klimabilanz

Moore wachsen sehr langsam. Das Torfmoos wächst ca. 1 mm/Jahr in die Höhe.[1] Dadurch wird Kohlenstoff gebunden, der – wenn die Pflanzenteile irgendwann dauerhaft unter Wasser gelangen und absterben – mangels Sauerstoff nicht abgebaut werden kann. Im Gegensatz zu den meisten anderen Biotopen können Moore damit laufend CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern. Das können bis zu 4 t/ha/Jahr sein.[2] (In anderen Biotopen stellt sich irgendwann ein Gleichgewicht zwischen Humusauf- und -abbau ein.)

Wird ein Moor trockengelegt, können Mikroorganismen den Boden zersetzen. Dabei setzen sie das über Jahrtausende gespeicherte CO2 allmählich frei (30–40 t/ha/Jahr; in Indonesien 100 t/ha/Jahr).[3] Moorböden bestehen zu rund 50% aus Kohlenstoff,[4] der sich bei der Zersetzung "in Luft auflöst", weshalb der entwässerte Moorboden um 1 cm/Jahr absackt.[5]

Durch Wiedervernässen eines Moors können dessen CO2-Emissionen gestoppt werden. Gleichzeitig entstehen jedoch erhebliche Mengen Methan, die es in trockengelegten Moorböden so nicht gibt (nur in den Entwässerungsgräben). Methan ist ein starkes, jedoch relativ kurzlebiges Treibhausgas. Die Methan-Emissionen addieren sich in der Erdatmosphäre nur für ca. 20 Jahre und nicht für viele Jahrhunderte wie bei Kohlendioxid. Deswegen ist es jedenfalls sinnvoll, Moorböden wieder unter Wasser zu setzen. Ohne diese Maßnahme ist es nicht möglich, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.[6]

Österreich

In Österreich gibt es noch ca. 1500 Moore auf einer Fläche von insgesamt rund 21 000 ha. Ursprünglich waren die Moorgebiete etwa zehnmal so groß (ca. 2,5% der Landesfläche) – bevor die meisten durch Torfabbau und Trockenlegung verschwanden. Entstanden sind sie vor 10 000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit. Die noch intakten Moore Österreichs haben pro Hektar zehnmal so viel Kohlenstoff wie ein Wald gespeichert,[7] insgesamt schätzungsweise 60–150 Mt CO2. Landwirtschaftlich genutzte Torfböden in Österreich sollen sogar noch 180 Mt CO2 gebunden haben. Für Grünland auf ehemaligen Moorflächen wurde eine durchschnittliche CO2-Emission von 9 t/ha/Jahr errechnet.[8]

Deutschland

In Deutschland sind 92% aller Moorböden entwässert, vor allem um sie landwirtschaftlich nutzen zu können. Von den ehemaligen Moorflächen entweichen 53 Mt Treibhausgase pro Jahr – ohne Gegenmaßnahmen für sehr lange Zeit, denn die Moore enthalten noch so viel Kohlenstoff wie die Biomasse in allen deutschen Wäldern, obwohl die Moore nur 5% der Landesfläche ausmachen.[9]

Aus Klimaschutzgründen müssten bis 2050 alle deutschen Moore komplett wiedervernässt werden; bis 2040 schon mehr als die Hälfte. Aktuell wird daran geforscht, wie man die Flächen weiterhin nutzen kann, ohne dass massiv Treibhausgase entweichen.[10]

Weltweit

Die weltweite Moorfläche wird auf 4 Millionen km2 (3% der Landoberfläche) geschätzt. 80% der Flächen sind noch intakt.[11] Von 1990–2017 gingen ca. 5000 km2/Jahr verloren.[12] Die Moore haben insgesamt mehr als 270–370 Gt Kohlenstoff gespeichert. Das entspricht

Die größten Moorflächen befinden sich in Amerika (2 Millionen km2) und Sibirien (1,5 Millionen km2).[13] Siehe Karte

Die intakten Moore produzieren jährlich 20–45 Mt Methan; die zerstörten oder brennenden rund 2 Gt CO2 pro Jahr.[14] Das sind 6% aller menschengemachten Treibhausgas-Emissionen.[15] In einem Jahr mit Moorbränden in Indonesien waren es sogar 30%![16]

Weiter

Torf

Weblinks

Quellen

[1]
[2] Der Spiegel, 8.1.2022, S. 125
[3] Der Spiegel, 8.1.2022, S. 125
[4] WWF zum Internationalen Jahr des Bodens 2015, S. 4
[5] Der Spiegel, 8.1.2022, S. 124
[6] Prompt rewetting of drained peatlands reduced climate warming despite methane emissions, Nature, 2.4.2020 – "Our results show that total radiative forcing quickly reaches a plateau after rewetting, because of the halted emissions of CO2/N2O of rewetted peatlands and the short atmospheric lifetime of any emitted CH4. In contrast, postponing rewetting has a long-term warming effect resulting from continued CO2 emissions. Warnings against CH4 emissions from rewetted peatlands are therefore unjustified in the context of effective climate change mitigation. ... drained peatlands also emit CH4, most notably from drainage ditches. ... in order to reach climate-neutrality in 2050 ... CO2 emissions from (almost) all drained peatlands have to be stopped by rewetting."
[7] Der Standard, 13.3.2013, S. 20
[8] Clemens Geitner u. a.: Tiroler Moore unter Landwirtschaft (PDF), Innsbrucker Bericht 2018–19, S. 46f. (im PDF S. 17f.)
[9] Der Spiegel, 8.1.2022, S. 124
[10] Der Spiegel, 8.1.2022, S. 125
[11] Expertengruppe der Europäischen Kommission: Final Report On Greenhouse Production (Protected Cropping) (PDF), 2013, S. 35
[12] Prompt rewetting of drained peatlands reduced climate warming despite methane emissions, Nature, 2.4.2020 – "~5000 km2 per year (average net increase of drained peatland area between 1990 and 2017)"
[13] Gert Michael Steiner im Interview auf derStandard.at, 25.6.2007
[14] Expertengruppe der Europäischen Kommission: Final Report On Greenhouse Production (Protected Cropping) (PDF), 2013, S. 36
[15] Müller, Adrian (2012): Agricultural land management, carbon reductions and climate policy for agriculture. Carbon Management 3(6), S. 642 laut WWF zum Internationalen Jahr des Bodens 2015, S. 4
[16] Stadt Wien: Wien Wissen. Das Wichtigste aus Wissenschaft, Forschung und Bildung, 1/2019, S. 19

Seite erstellt am 30.1.2022 – letzte Änderung am 5.2.2022