Mario Sedlak
Umweltschutz
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Steinwolle mit Bewässerungsschlauch

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Schaut nicht gerade natürlich aus.

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Keine Verbindung zum Boden

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Optisch makellos, Geschmack auch so gut, wie es der Sorte entspricht

Kritik an der erdelosen Landwirtschaft

Energiebedarf

Die in der erdelosen Landwirtschaft meist genutzte Mineralwolle ist sehr energieintensiv in der Herstellung (150–400 kWh/m3), da die Rohstoffe bei 1200–1600°C geschmolzen werden müssen. Andererseits kann bei der erdelosen Landwirtschaft auf das Sterilisieren des Bodens mit heißem Wasserdampf verzichtet werden.

Organische Substrate wie z. B. Kokosfasern dürften erheblich weniger graue Energie verbrauchen, sind aber wahrscheinlich teurer. Dafür sind sie kompostierbar und sparen Entsorgungskosten. In den Niederlanden wird auch Steinwolle wiederverwertet.[1]

Unnatürlich

Wie ich das erste Mal in einem Glashaus für den Massenmarkt war, hatte ich eher den Eindruck, in einer Fabrik als in einem landwirtschaftlichen Betrieb zu sein. Boden, Bewässerung, Düngung, Temperatur, Kohlendioxid – alles künstlich; nur die Pflanze ist noch "echt". Aber irgendwann werden sie effizientere, künstliche Tomaten ohne Pflanze züchten, bin ich überzeugt. Das ist umweltfreundlich, aber will ich solche Früchte essen?

Es könnte sein, dass bei der klinisch reinen Produktion im Glashaus die Pflanze irgendwelche Nährstoffe nicht produziert, die der Mensch braucht, die aber noch gar nicht erforscht sind. Oder irgendetwas Unbekanntes ist drin, das uns schadet. So gesehen wäre der Anbau in der Erde die sicherere Variante. Allerdings gibt es da wiederum Risiken durch Krankheitserreger, Medikamentenrückstände, Altlasten etc. Was schwerer wiegt, muss jeder für sich beantworten. Da gibt es meines Erachtens keine objektiv eindeutig richtige Antwort.

Ich halte Lebensmittel, die mit erdeloser Landwirtschaft produziert wurden, für unbedenklich, solange es auch noch andere gibt. Wenn in den Nährstofflösungen, in denen die Pflanzen wachsen, irgendetwas fehlt, kann das mein Körper dann durch die anderen, im Boden gezüchteten Pflanzen, ausgleichen.

Geschmack

Laut verschiedenen Studien schmecken Tomaten, die in der Erde wachsen durften, gleich gut wie solche, die nur Nährlösung bekamen.

Der schlechte Ruf von modernen Glashausfrüchten liegt wahrscheinlich daran, dass zeitgleich mit der Einführung des erdelosen Anbaus auch die Wahl der Sorte "optimiert" wurde: Sind die Tomaten wässrig, kann die Pflanze mehr davon produzieren, als wenn es sich um eine geschmackvolle Sorte handelt. Das heißt: Nur wenn der Konsument bereit ist, für den Geschmack mehr zu bezahlen, werden die besseren Früchte produziert. Mit der erdelosen Produktionsweise hat das nichts zu tun.

Mein Fazit

Ich befürworte die erdelose Landwirtschaft, vor allem aus Umweltschutz-Gründen. Dennoch bin ich froh, dass die erdelose Produktion in der biologischen Landwirtschaft abgelehnt wird. Es darf nicht unser ganzes Essen aus der Retorte kommen.

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Biologische Landwirtschaft

Quellen

[1] Michaela C. Theurl: CO2-Bilanz der Tomatenproduktion (PDF), Arbeitspapier, 2008, S. 12 (im PDF S. 22)

Seite erstellt am 10.10.2015 – letzte Änderung am 27.2.2024