Mario Sedlak
Geld
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Irrtümer über Investmentfonds

Umschichtung bei Änderung der Marktlage

Ich dachte früher, ein Investmentfonds nimmt mir auch die Entscheidung ab, ob ich momentan lieber mehr Geld oder Aktien halten soll, entsprechend was derzeit aussichtsreicher ist. Doch das stimmt nicht. Rechtlich erlaubt sind zwar bis zu 49% Bankguthaben, aber die werden selten auch nur annähernd ausgenützt. Die Fonds-Manager rechtfertigen das damit, dass Anleger erwarten, mit dem Kauf eines Aktienfonds auch tatsächlich in den Aktienmarkt zu investieren, und nicht in "ein Sparbuch mit 51% Beimischung von Aktien".[1]

Dem stimme ich durchaus zu, nur sollte man es wissen: Wenn es abwärts geht, kann der Fonds-Manager i. A. nicht viel dagegen tun. In der Werbung wird meines Erachtens häufig der Eindruck vermittelt, dass dank professioneller Betreuung nicht viel passieren kann, da der Fonds-Manager die Märkte ständig beobachtet und bei Bedarf sofort das Vermögen umschichtet.

Das einzige, was man gegen Verluste tun kann, sind Absicherungsgeschäfte (mit speziellen Wertpapieren wie Optionen). Die sind aber relativ teuer. Ich glaube, es gibt nur wenige Fonds, die diese Instrumente in größerem Umfang verwenden. Nachteil solcher Fonds ist, dass die Absicherung langfristig viel Ertrag kostet. Mich interessieren solche Fonds daher nicht.

Verluste dadurch abzuwenden, dass man "rechtzeitig" aus dem Markt aus- und einsteigt, funktioniert nicht, da zukünftige Entwicklungen auf Wertpapiermärkten nicht vorhersehbar sind.

Fonds-Hitparaden

Viele Anleger sind davon überzeugt, dass man einen guten Investmentfonds daran erkennt, dass er in der Vergangenheit eine der höchsten Wertsteigerungen unter allen Fonds mit demselben Anlageschwerpunkt erbrachte. Doch der Glaube an dieses Auswahlkriterium ist wissenschaftlich nicht haltbar. Außergewöhnlich gute Fonds, die bei gleichem Risiko konstant mehr Ertrag abwerfen, sind bei entsprechenden Studien nicht gefunden worden.

Ich suche nicht gezielt nach Fonds mit einer Top-Entwicklung, denn an der Spitze der Rangliste stehen dabei oft Fonds, die ein überdurchschnittliches Risiko eingegangen sind und viel Glück gehabt haben. Macht man z. B. einen Vergleich über alle Aktienfonds, dann sind fast immer Fonds an der Spitze, die nur in eine Branche, eine aufstrebende Region oder nur in Wachstumswerte investieren. Solche Fonds findet man auch am entgegengesetzten Ende der Liste unter den größten Verlierern. Ein Fonds mit einer risikoarmen Anlagestrategie kommt kaum jemals auf Spitzenplätze. Das gilt auch bei einem Vergleich innerhalb derselben Fonds-Kategorie.

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Zertifikate

Siehe auch

Quellen

[1] Andreas Kraft in Option – Alles über Fonds, Sonderheft 6a, 10.2000, S. 22f.