Coanda-Effekt
Wann immer eine strömende Flüssigkeit oder ein strömendes Gas von einer Oberfläche angezogen zu werden scheint und an ihr entlangfließt, dann wird von dem Effekt gesprochen, den der rumänische Physiker Henri Marie Coandă 1910 entdeckt hat.
Der Coanda-

1. Weil Luftschichten aneinander reiben, kann eine Luftschicht nicht in Ruhe bleiben, wenn die über ihr in eine Richtung strömt. Wenn aufgrund eines Objekts keine Luft nachströmen kann, entsteht Unterdruck.

2. Durch den entstandenen Unterdruck wird bereits die ursprüngliche Strömung abgelenkt. (Der Unterdruck wirkt weiterhin und kompensiert gerade die Fliehkraft, die auf das strömende Medium wirkt, wo es auf die gekrümmte Bahn gezwungen wird.)
Luft an Objekt
- Luft hat eine innere Reibung (Zähigkeit, Viskosität). Wenn sich eine Luftschicht bewegt, dann reißt sie deshalb auch die Luftschicht darunter mit.
- Wenn die Luftschicht darunter von der Oberfläche eines Objekts weggerissen wird, dann entsteht dort Unterdruck.
- Der Unterdruck zieht die Luft von der ursprünglichen Strömungsrichtung hinunter entlang der Oberfläche.[1]
So entsteht der Coanda-
- Der Unterdruck wirkt genauso auf die Oberfläche des Objekts. Die Kraft, die die strömende Luft ablenkt und die Kraft, die die Oberfläche anzuheben versucht, sind gleich groß. Die Richtung der beiden Kräfte ist genau entgegengesetzt. (3. Newton'sches Gesetz)
- Im Endeffekt scheint es so, als würden Luft und Oberfläche einander anziehen. Diese scheinbare Anziehungskraft nenne ich "Coanda-
Kraft ".
Damit kann man gut verstehen, wie die Kräfte auf Flugzeugflügel, Hausdächer, Regenschirme, fliegende Bälle usw. wirken.
Grenzen
Luft folgt nicht beliebig starken Krümmungen. Bei zu großer Umlenkung (z. B. 10–
Wenn sich ein fliegender Ball dreht, dann zieht er auf einer Seite die Luft weiter mit als auf der anderen (sofern die Drehachse nicht genau in Flugrichtung zeigt). Auf einer Seite wirkt daher eine größere "Coanda-
Alles Geschriebene gilt sowohl für Luft als auch für die meisten anderen Gase, wenn sie nicht extrem hohen oder niedrigen Druck haben und wenn sie sich nicht mit Überschallgeschwindigkeit bewegen.
Flüssigkeit an Festkörper
Hält man einen Löffel in einen Wasserstrahl, dann folgt das Wasser seiner gewölbten Oberfläche und verlässt diese in einer anderen Richtung als es gekommen ist. Die dazugehörige Kraft, die den Löffel in den Wasserstrahl zieht, kann man fühlen.
Trotz augenscheinlich gleichem Effekt ist die Erklärung hier eine andere:
- Wasser haftet auf Oberflächen (Adhäsion – was selbst wieder ein Oberbegriff und noch keine Erklärung ist).
- Wasser hält auch zusammen (Kohäsion, Oberflächenspannung). Das erklärt, wieso der ganze Strahl mitgerissen wird und nicht nur eine dünne Schicht auf der Löffeloberfläche entlang läuft.
In diesem Fall sind drei Medien beteiligt (Gas, Flüssigkeit, Festkörper). Der Coanda-
Ausnahme
Manche Flüssigkeiten (z. B. Helium) werden bei Temperaturen nahe des absoluten Nullpunkts "superfluid", d. h. es gibt keinerlei Reibung mehr in ihnen. Das ist ein Effekt so wie Supraleitung, wo Stromleiter bei extremer Kälte jeglichen Widerstand verlieren.
Verwendung
Der Coanda-
Interessanterweise kommt der Coanda-
Weiter
Quellen
[1] | Peter Eastwell: Bernoulli? Perhaps, but What About Viscosity? (PDF), S. 5 |
[2] |
|