Notwendige Wahrheit
Wenn ich sage „Man kann nichts mit absoluter Sicherheit wissen“, dann kommt oft schnell der Einwand, dass dieser Satz ja selbst „eine Art Wissen“ ist. Also würde ich behaupten: „Ich weiß, dass ich nichts wissen kann.“ Das wäre ein Widerspruch in sich.
Der Einwand geht – wie so oft bei Diskussionen über Wissenschaftstheorie oder Philosophie – auf ein Missverständnis zurück. Es ist nicht präzise genug, zu sagen: „Es gibt keine absolute Wahrheit.“
Tatsächlich gibt es (natürlich?) schon Aussagen, die wir als wahr erkennen können. Z. B.:
- Aussagen der Logik und Mathematik
- Aussagen, die gar nicht falsch sein können (Tautologien)
- „Morgen ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.“
- „Man hat keine 2. Chance, einen guten 1. Eindruck zu machen.“
- „Alle Raser fahren schnell.“ – Sonst würde man sie nicht „Raser“ nennen. Die Aussage spiegelt nur eine Definition wider.
- und eben Aussagen der Wissenschaftstheorie:
- Jede Schlussfolgerung anhand von Erfahrung ist unsicher.
- Es gibt keine „feste Basis“ von unbezweifelbaren Erfahrungstatsachen. Streng genommen hängen alle wissenschaftlichen Theorien „in der Luft“.
Alle diese Aussagen haben eines gemeinsam: Sie gelten unabhängig davon, welche Eigenschaften die Welt hat. Wenn wir uns gedanklich alle möglichen Welten vorstellen, dann sind die Aussagen in jeder dieser Welten wahr. Sie sagen also nichts über die Welt aus, in der wir tatsächlich leben. Deswegen ist es korrekt, zu sagen:
Wir können nichts über die Welt, in der wir leben, mit absoluter Sicherheit wissen.
Dieser Satz ist eine notwendige Wahrheit, die in jeder denkbaren Welt gilt. Notwendige Wahrheiten können wir schon wissen (wenn wir annehmen, dass wir logisch denken können). Nur Sätze, die in manchen der denkmöglichen Welten falsch sind, können wir niemals im strengsten Sinne beweisen.