Urs Niggli
Urs Niggli ist Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), an dem 200 internationale Wissenschaftler arbeiten. In der Schweiz gilt Urs Niggli als einer "der wichtigsten globalen Vordenker und Botschafter der Bio-
Mein erster Eindruck von ihm stammt aus diesem Interview. Mir gefällt an ihm, dass er offen und ehrlich seine Meinung sagt – ein wohltuender Kontrast zu anderen erfolgreichen Vorkämpfern, die nur sagen, was dem aktuellen Zeitgeist entspricht und gut ankommt. Hier ein paar Beispiele:
die Gentechnik ist ein großes Forschungsgebiet mit unzähligen Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Analytik, der Diagnose oder der Züchtungsunterstützung. ... Wesentlich ist immer eine kritische, differenzierte Bewertung.
Bio und groß sind kein Widerspruch.
Für mich ist Bio im Supermarkt ein Segen.
Die heutigen Bio-
Richtlinien, wie sie aktuell durch die EU- Bioverordnung und von den Bioverbänden definiert sind, würde ich nur als Zeitdokument verstehen, welches in 20 Jahren hoffentlich anders aussieht. ich sehe auch, dass ich dabei nicht zu rasch vorangehen darf, weil ich sonst engagierte Bio-
Leute verschrecke. Ich glaube nicht, dass so wichtige Änderungen durch individuelle Einsicht oder moralische Ermahnungen erreicht werden können.
Seien wir ehrlich: Der Kauf von Bioprodukten ist den meisten Menschen einfach zu wenig wichtig.
- Lehnt vegane Ernährung "als Weg für die Gesellschaft ab", da sonst Dauergrünland für Menschen nicht nutzbar wäre. "Auch Schweine und Hühner haben in reduziertem Umfang eine Berechtigung, nämlich in der Reste- und Abfallverwertung."
Die Menschheit soll sich künftig von Insekten ernähren, da sie Proteine effizienter umwandeln als [Säuge]Tiere und Fische. Weil aber Europäer lieber Felchen [= bestimmter Fisch] statt Heuschrecken essen, haben die FiBL-
Forscher einen gewitzten Umweg eingeschlagen: Sie bringen Eiweiße via Abfall via Maden via Fisch in unseren Magen. In den westlichen Ländern müssten bei einer Umstellung auf Biolandbau die Verschwendung, der Fleischkonsum und die Treibstoffproduktion reduziert werden.
- Die Bio-
Landwirtschaft sollte in der Werbung realistischer dargestellt werden, damit beim nächsten Skandal das Vertrauen der Konsumenten nicht so stark erschüttert wird.
Na, sind das klare Aussagen? Ich bin mit ihm voll auf einer Linie und denke, dass eine derart realistische Sichtweise bekannter gemacht werden sollte. Die Diskussion, die Urs Niggli mit seinen Aussagen hervorrufen könnte, bringt uns hoffentlich weiter, denn 0,5% Biolandbau im globalen Durchschnitt (wie ebenfalls in dem Interview angegeben) sind nicht genug.
Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, dem Urs Niggli seit 1990 vorsteht, betreibt übrigens auch ein freies Archiv, in dem tausende Forschungsergebnisse zur biologischen Landwirtschaft kostenfrei aufrufbar sind.