Mario Sedlak
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Messröhrchen mit zu gering überfüllter Flüssigkeit

Kritik an Wien Energie

Verrechnung nicht erbrachter Leistung

Zur Messung der bezogenen Fernwärme werden auf den Heizkörpern in Wien meist noch einfache Röhrchen mit Messflüssigkeit montiert. Je mehr man den Heizkörper aufdreht, umso mehr Flüssigkeit verdunstet. Aber auch wenn man den Heizkörper nie aufdreht, verdunstet ein gewisser Teil. Das ist die sogenannte Kaltverdunstung. Als Ausgleich wird das Röhrchen über die Nulllinie hinaus befüllt – allerdings ist diese Überfüllung schon nach etwa 100 Tagen verdunstet, obwohl es laut ZAMG in einem Jahr durchschnittlich 188 heizfreie Tage in Wien gibt! Das heißt:

An durchschnittlich 88 heizfreien Tagen eines Jahres bezahle ich "Fernwärme", die mir gar nicht geliefert wurde! Das macht bei mir ca. 40 €/Jahr aus, für die ich keinerlei Gegenleistung erhalte.[1]

Sowas kann sich nur ein Fernwärme-Lieferant erlauben. Einen Stromzähler, der jedes Jahr 200 kWh misst, die gar nicht verbraucht wurden, kann man erfolgreich beanstanden. Es würde auch wohl kaum jemand zum Frisör gehen oder in ein Taxi steigen, wenn das allein bereits 40 € kostet, ohne dass man eine Leistung bekommen hat. Jeder würde sagen, dass das nicht seriös sein kann.

Wien Energie findet jedoch nichts dabei, Sommerwärme in Rechnung zu stellen. In Summe über alle Fernwärmekunden einer Wohnhausanlage bereichert sich Wien Energie dadurch nicht einmal; es ist vielmehr eine verdeckte Umlage von den sparsamen Heizern zu den Vielheizern. Damit wird die amtliche Preisregelung, die eine maximale Grundgebühr vorschreibt, umgangen.

Der Missstand wirkte sich 2020/2021 voll aus, weil wegen der Corona-Pandemie wienweit die Röhrchen nicht getauscht wurden. Normalerweise wird bei der Ablesung relativ großzügig abgerundet und so die Kaltverdunstung an den heizfreien Tagen von Oktober bis Juni tw. kompensiert. (Die Verdunstung bei kaltem Heizkörper, während mir über Rohre und von Nachbarwohnungen Wärme geliefert wird, finde ich ok.)

Bei elektronischen Messgeräten statt den altertümlichen Verdunstungsröhrchen gibt es keine Kaltverdunstung. Allerdings verlangt Wien Energie für die elektronischen Zähler 130 €/Jahr zusätzlich (Stand: 2015).[2] Das ist eindeutig Wucher mit dem Ziel, dass alle bei den Röhrchen mit der Kaltverdunstung bleiben. Anderswo sind die elektronischen Zähler schon um wenige Euro erhältlich.

Website

Die Website der Wien Energie ist offenbar für die Massen optimiert. Nur verschwinden Seiten leider rasch wieder oder bekommen eine neue Adresse, wodurch tote Links produziert werden. Manche Informationen wie der Preis der Fernwärme sind nicht auffindbar.

Kritikpunkte von anderen

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In solchen Stationen wird die Fernwärme unterirdisch in den hauseigenen Kreislauf eingespeist.

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Ladesäule von Wien Energie

Meine Meinung
  • Der Rechnungshof kritisierte 2014, dass Wien Energie 790 Millionen €/Jahr für Beamten-Pensionen rückstellen musste.
Stromkunden der Wien Energie zahlen vermutlich eine größere Umlage an die pensionierten Beamten als für den Ökostrom-Ausbau (nur wird das nicht extra auf der Stromrechnung ausgewiesen). Deswegen lohnt sich ein Wechsel des Stromanbieters.
  • Gelegentlich kritisiert ein Hausbesitzer, dass bei einem Fernwärme-Anschluss Wien Energie eine zu hohe Anschlussleistung verlangt.
Ich verstehe, dass die Fernwärme auch an seltenen bitterkalten Wintertagen funktionieren soll, denn ansonsten würde das den Ruf der Fernwärme gefährden. Nur wenige würden verstehen, dass nicht die Fernwärme, sondern der knausrige Hausbesitzer an der kalten Wohnung schuld ist.
  • Wer sein Hybrid- oder Elektroauto bei einer Ladesäule von Wien Energie ansteckt, zahlt für den Strom u. U. mehr als für den Benzin oder Diesel, den ein Verbrenner für die gleiche Strecke brauchen würde.
Da die Errichtung der Ladesäulen viel Geld kostet, ist für mich nachvollziehbar, dass das Laden dort teuer kommen kann. Nicht verständlich ist für mich lediglich, wieso Wien Energie dennoch glaubt, dass die Massen auf Elektroautos umsteigen werden, wenn es alle 400 m eine solche Ladesäule gibt.

Weiter

Irrtümer von Wien Energie

Quellen

[1]
  • Kaltverdunstungsvorgabe bei mir = 4,6 Teilstriche
    • reicht für ca. 100 Tage im Sommer (statt 120 Tage bei 20°C).
    • Die restlichen 88 heizfreien Tage sind kühler (ca. 22°C). Da würden die 4,6 Teilstriche für ca. 110 Tage reichen.
    • Somit fehlen 4,6·88/110 = 3,68 Teilstriche.
    • Ein Teilstrich kostet mir laut Abrechnung (für 2019) 18,33 €.
    • Ergibt 3,68·18,33 = 67,45 €, die mir für nicht gelieferte Wärme in Rechnung gestellt werden.
  • Würde die Kaltverdunstungsvorgabe bei allen Wohnungen um 3,68 Teilstriche angehoben, steigt allerdings der Preis je Teilstrich:
    • 66 088,85 m2 mit Fernwärme beheizte Wohnfläche (laut Abrechnung)
    • davon 55,40 m2 meine Wohnung
    • Ergibt Schätzung 3,68·66 088,85/55,40 = 4390 weniger Teilstriche in der gesamten Wohnhausanlage.
    • Im Jahr 2019 wurden 19 008 Teilstriche abgelesen und 6060 MWh Wärmeenergie zu 57,49 €/MWh geliefert = 348 402 €
    • Bei 19 008 – 4 390 = 14 618 Teilstrichen wäre der Preis = 348 402/14 618 = 23,83 € pro Teilstrich (= 5,50 € höher als derzeit).
  • Bei meinem Verbrauch von 9 Teilstrichen minus 3,68 zusätzliche Kaltverdunstungsvorgabe würde ich für die verbliebenen 5,32 Teilstriche 5,32·5,50 = 29,30 € mehr als bisher zahlen.
  • Insgesamt verbleiben 67,45 – 29,30 = 38,20 €, die ich pro Jahr im Durchschnitt als "Energiekosten" für heizfreie Tage zahle.
[2] Kreutzer Fischer & Partner Consulting GmbH: Nah- und Fernwärme – Preisanalyse in Wien, Niederösterreich und der Steiermark (PDF), 2016, S. 20