Mario Sedlak
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Mur in Graz

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Wiederhergestelltes, gut angenommenes Erholungsgebiet

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Bäume vor der Schlägerung

Kritik am zentralen Speicherkanal in Graz

Mit dem zentralen Speicherkanal in Graz muss nicht mehr so viel Dreckwasser direkt in die Mur geleitet werden. Was gibt es daran auszusetzen?

Kritikpunkt Gegenargument
  • Es gibt derzeit keine rechtliche Verpflichtung, den guten Zustand des Gewässerkörpers Mur im Stadtgebiet von Graz weiter zu verbessen.

Die Mur hat im Stadtgebiet keine Badewasserqualität, sondern ist "mäßig verunreinigt".

Laut österreichischem Wasserrechtsgesetz, zuletzt geprägt durch die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie, ist eine Verschmutzung von Fließgewässern weitestgehend zu vermeiden.[1] Da das Abwassersystem dem "Stand der Technik" entsprechen muss, ergibt sich eine indirekte rechtliche Verpflichtung zum Bau des Kanals.[2]

  • Aus ökologischer Sicht ist es kein Problem, wenn bei starkem Regen Abwässer in die Mur fließen. Diese sind dann stark verdünnt und überfordern die Selbstreinigungskraft des Flusses nicht.
Die Abwässer entsprechen einer Stadt mit 28 000 Einwohnern, die völlig ungefiltert in den Fluss gelangen. Nicht ohne Grund werden selbst in kleinsten Orten mit 200 Einwohnern Kläranlagen errichtet.
  • Der zentrale Speicherkanal ist unnötig und horrend teuer.
Dem Stadtrechnungshof erscheint sowohl die Errichtung eines zentralen Speicherkanals als auch die "Systematik der Kostenermittlung" im Hinblick einer dem Stand der Technik anzupassenden Mischwasserbewirtschaftung "nachvollziehbar und plausibel".[3]
  • Wegen des Kanals muss die Kläranlage Gössendorf erweitert werden, was zusätzlich 21 Millionen € kostet.
Der Hauptgrund für eine notwendige Erweiterung ist das Wachstum der Stadt, nicht der zentrale Speicherkanal.
Es werden mehr Bäume wieder aufgeforstet. Die Natur holt sich die Flächen zurück.
  • Wegen dem Klimawandel wird es immer wärmer. Um die Stadt zu kühlen zurückzuhalten, sollten Dachbegrünungen angelegt werden. Damit würden auch Abflussspitzen nach einem Regen gedämpft. Der Kanal kostet mehr und leitet das zum Kühlen benötigte Wasser weg.
Mehr Grünflächen sind zu begrüßen, aber keine Alternative zum Speicherkanal, weil das Speichervermögen zu gering ist.
  • Das Regenwasser sollte dezentral versickert werden. Das wäre für den Wasserkreislauf ideal.[4]

Für Neubauten wird in Graz schon seit vielen Jahren eine Regenwasserversickerung vorgeschrieben. Im dicht verbauten Innenstadtbereich fehlt hierfür der Platz. Außerdem wäre eine nachträgliche Umrüstung teuer und es gibt kein Gesetz, mit dem ein Hausbesitzer zu dieser Umrüstung gezwungen werden könnte.

Regenwasser von Straßen ist mit Reifenabrieb, Schwermetallen, Salz usw. verschmutzt und darf nicht versickert werden, weil sonst das Grundwasser nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden könnte.

  • Für Regenwasser und restliches Abwasser sollte es zwei getrennte Kanalnetze geben. Dann kann das Regenwasser bei Bedarf direkt in die Mur fließen und es ist kein teurer Speicherkanal nötig.
Der Bau eines zweiten Kanalnetzes wäre 8-mal so teuer wie der zentrale Speicherkanal. Alle Straßen in Graz müssten aufgegraben werden.[5] Das würde Jahrzehnte dauern.

Meine Meinung

Ich bin sehr verwundert, dass sich Naturschützer für Gewässerverschmutzung einsetzen. Wieso werden dann z. B. Hotels kritisiert, die ihr Abwasser einfach ins Meer leiten? Das Meer ist noch viel größer als die Mur. Wieso schimpfen die Naturschützer auf Wanderer, die ihren Müll in die Natur werfen?

Ökologisch ist das Abholzen von Bäumen kein Problem. In 30 Jahren ist von der "Wunde" kaum noch was sichtbar. Kritischer (aus Sicht des Umweltschutzes) sind dauerhafte Beeinträchtigungen von Biotopen, z. B. durch Überdüngung mittels ungeklärten Abwässern.

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Umweltschutzorganisationen

Quellen

[1] Wasserland Steiermark. Die Wasserzeitschrift der Steiermark, 1.1/2014 (PDF, 4 MB), S. 14
[2] Grazer Stadtrechnungshof: Informationsbericht an den Kontrollausschuss, Projektprüfungen 1. Quartal 2016 (PDF, 2 MB), S. 14
[3] Grazer Stadtrechnungshof: Informationsbericht an den Kontrollausschuss, Projektprüfungen 1. Quartal 2016 (PDF, 2 MB), S. 15
[4] Martin Schober: Möglichkeiten für eine Regenwasserbewirtschaftung des Bereiches Alte Technik der TU Graz (PDF, 11 MB), Diplomarbeit, S. 11 (im PDF S. 18) – "Aus ökologischer Sicht ist eine Versickerung allen anderen Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen vorzuziehen, da es zu einer raschen Rückführung des Wassers in den natürlichen Boden-Luft-Kreislauf kommt."
[5] Mitteilung der Grazer Stadtwerke (Holding Graz) vom 22.3.2017 an mich