Mario Sedlak
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Studie zur 55-38-7-Regel

durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach und dem Institut für Publizistik der Universität Mainz IfD Institut im Auftrag des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache

Titel: Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags?

Aufbau

Zunächst suchten die Wissenschaftler einen Text, "der zwar potentiell kontrovers ist, bei dem sich die Bevölkerung aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine allzu feste Meinung gebildet hat".[1] Von drei kurzen Texten erwies sich in einer repräsentativen Befragung von 2000 Menschen der Text über die Globalisierung am überzeugendsten.[2]

Dieser Text wurde "in drei Versionen von einem professionellen Redner, dem Journalisten Oliver Kalisch vom Südwestrundfunk, vorgetragen und auf Video aufgezeichnet."[3] Jede Rede dauerte ca. 90 Sekunden.[4] 177 Studenten der Universität Mainz wurden in fünf "vergleichbar zusammengesetzte" Gruppen eingeteilt und zu ihrer Meinung über die Globalisierung befragt.[5]

Ergebnis

Gruppe Anteil derer, die "alles in allem mehr die Chancen" der Globalisierung sehen
weder Text noch Rede gesehen 35%
Text gelesen 41%
nüchterner Vortrag des Textes 25%
betonter Vortrag des Textes 26%
betonter Vortrag mit Gestik 30%

Der Text allein wirkte besser als der vorgetragene Text! Ursache laut Fragebögen, die die Studenten ausfüllten:[6]

Aus den obigen Prozentzahlen ergäbe sich (unter Vernachlässigung der Vorzeichen):[7]

Wirkungsstärke
Inhalt 6 Prozentpunkte 22%
Körpersprache, äußere Erscheinung 16 Prozentpunkte 59%
Betonung 1 Prozentpunkt 4%
Gestik 4 Prozentpunkte 15%
Gesamt 27 Prozentpunkte 100%

Jeder Student bekam auch einen Regler in die Hand, auf dem er während der Rede seinen augenblicklichen Eindruck auf einer Skala von 1 (negativ) bis 7 (positiv) einstellen sollte. Die so erhaltenen Kurven haben bei allen drei Videos mehr oder weniger hohe Ausschläge bei denselben Textstellen.[8]

Schlussfolgerungen

Hätte der Text eine derart zu vernachlässigende Bedeutung für die Wirkung eines Vortrags, wie in der Literatur oft behauptet wird, dann müsste sich zumindest in der Gruppe, in der der Vortrag mit allen Regeln der Kunst, also einschließlich lebendiger Betonung und Gestik, präsentiert wurde, ein anderes Verlaufsmuster ergeben oder aber die Ausschläge der Kurve müssten erheblich stärker sein als in den anderen Gruppen, was nicht der Fall ist. Allerdings sind sie geringfügig stärker, was vermutlich darauf hinweist, dass ein guter Vortragender die Elemente eines Textes besonders durch Betonung und Gestik unterstreicht, die die stärkste potentielle Überzeugungskraft haben ... Die Wirkung des Redetextes ist also weit grundlegenderer Natur und damit weit größer, als es angesichts des in der vorliegenden Studie errechneten Anteils von 22 Prozent an der Gesamtwirkung den Anschein hat. Er bietet die Grundlage, auf der sich die anderen Wirkungselemente wie Betonung und Gestik erst entfalten können.[9]
Ist der Text wenig überzeugend, ist der Spielraum für die Entfaltung der Wirkung von Betonung und Gestik groß, ist der Text dagegen selbst bereits sehr überzeugend, können die nonverbalen Elemente dieser Wirkung nur noch vergleichsweise wenig hinzufügen.[10]
eine Faustformel wie die aus Mehrabians Studien abgeleitete 7-38-55-Formel [kann] der Realität nicht gerecht werden[11]

Der Vortragsstil hat besonders auf die Verständlichkeit einen Einfluss:

Verständlichkeit
sehr gut (1) gut (2) teils, teils (3) nicht so gut (4) überhaupt nicht gut (5) Durchschnitt
nüchterner Vortrag 13% 53% 16% 19% 0% 2,4
betonter Vortrag 36% 42% 19% 3% 0% 1,9
betonter Vortrag mit Gestik 36% 52% 9% 3% 0% 1,8
zum Vergleich: nur Text 44% 52% 0% 0% 4% 1,7

Grenzen

Es ist festzuhalten, dass sich mit dieser Untersuchungsanlage die Wirkung von Text, Betonung und Gestik lediglich anhand eines einzigen Textes feststellen lässt. Die Untersuchung kann damit keinerlei Allgemeingültigkeit in bezug auf die Wirkungsanteile dieser Elemente eines Vortrags beanspruchen. Doch sie kann exemplarisch die Größenordnungen der Wirkungen in einem realistischen Fall illustrieren.[12]
einige ... Unterschiede im Antwortverhalten verschiedener Experimentalgruppen [sind] statistisch nicht signifikant ... aber ... die Resultate des Experiments [sind] von einer auffallenden Plausibilität und Konsistenz, das heißt, auch die statistisch nicht signifikanten Ergebnisse fügen sich bruchlos in ein plausibles Gesamtbild ein, so dass es gerechtfertigt erscheint, sie mit einiger Vorsicht als verlässlich zu interpretieren.[13]

Mein Fazit

Die Studie zeigte, dass die behauptete 55-38-7-Regel so nicht stimmen kann – und dass es schwierig ist, die tatsächliche "Wirkungsstärke" von Inhalt, Körpersprache und Tonfall zu messen.

Kritik

Ein paar Dinge erscheinen mir an der Studie "interessant":

Das sind aber keine wirklichen Mängel.

Weiter

Gefühlsmensch

Quellen

[1] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 8 (im PDF S. 11)
[2] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 11 (im PDF S. 14)
[3] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 10 (im PDF S. 13)
[4] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 31 (im PDF S. 34)
[5] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 11 (im PDF S. 14)
[6] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 17f. (im PDF S. 20f.)
[7] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 25 (im PDF S. 28)
[8] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 29–32 (im PDF S. 32–35)
[9] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 33 (im PDF S. 36)
[10] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 27 (im PDF S. 30)
[11] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 18 (im PDF S. 21)
[12] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 10 (im PDF S. 13)
[13] Welchen Anteil haben Text, Erscheinungsbild des Redners, Betonung und Gestik an der Gesamtwirkung eines Vortrags? (PDF), S. 11 (im PDF S. 14)