Mario Sedlak
Strommarkt
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Preisbildung an Strombörsen

In der Theorie verlangen die Kraftwerks-Betreiber für ihren Strom so viel wie den variablen Kosten ihres Kraftwerks entspricht. Erst wenn der Strompreis unter die variablen Kosten fällt, macht es für sie Sinn, das Kraftwerk abzuschalten – vorher nicht, obwohl sie natürlich nicht auf Dauer davon leben können, wenn sie nur die variablen Kosten ersetzt bekommen.

Wie ist dann zu erklären, dass der Großhandelspreis für eine Megawattstunde an der Börse in Extremfällen auf fast 300 EUR (entspricht fast 30 Cent/kWh) oder sogar darüber steigt? Es gibt kein Kraftwerk, das so hohe variable Kosten hat.

Einfluss von Windkraftwerken

Bei viel Wind und wenig Stromnachfrage (z. B. Sonntag nachts) kann der Strompreis auf 0 fallen, denn die Windkraftwerke müssen ihren Strom auf jeden Fall loswerden. Sie verdrängen damit alle anderen Kraftwerke von der Börse.

Seit 1.9.2008 kann der Börsenpreis von Strom sogar negativ werden![1] Preise von –101,52 EUR/MWh sind meines Erachtens ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Marktteilnehmer ihre Gebote nicht an ihren variablen Kosten orientieren, denn die "Vernichtung" von elektrischer Energie kann kaum so viel kosten. Z. B. kann ein Flusskraftwerk das Wasser über das Wehr laufen lassen und die Turbine abschalten. Das erscheint vielleicht nicht sinnvoll, aber es kostet nichts.

Ich glaube kaum, dass irgendein Kraftwerks-Betreiber seinen Strom zu einem negativen Preis verkaufen würde. Er würde stattdessen sein Kraftwerk vom Netz nehmen. Nur bei den Windkraftwerken ist es anders: Ihr Strom wird in Deutschland auf jeden Fall an der Börse verkauft. Kann es vielleicht sein, dass manche Marktteilnehmer diesen Umstand zu ihrem Vorteil ausnützen, indem sie Gebote zu Fantasie-Preisen abgeben?

Meines Erachtens wurde die Glaubwürdigkeit der deutschen Strombörse durch die Einführung der negativen Preise beeinträchtigt.

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Quellen

[1] European Energy Exchange: Pressemitteilung vom 22.9.2008