Einfluss von Spekulation auf die Preisbildung
Spekulation als Form der Geldanlage kann die Preisbildung in der Marktwirtschaft erheblich beeinflussen: Wenn Spekulanten Immobilien, Aktien, Rohstoffe oder irgendetwas anderes kaufen, erhöhen sie die Nachfrage und wirken damit zwangsläufig preistreibend.
Spekulationen am Terminmarkt
Weniger klar ist die Situation, wenn Spekulanten Kauf- oder Verkaufsverträge abschließen, diese aber vor Erfüllung wieder rückgängig machen (zurückkaufen). Das ist die übliche Situation an Terminbörsen, wo man z. B. Erdöl oder Getreide kaufen kann, wobei die tatsächliche Lieferung erst zu einem späteren Zeitpunkt (meist in einigen Monaten) erfolgt. Der Spekulant hat i. A. gar kein Interesse an der Warenlieferung sondern hofft, dass sich der Preis bis vor dem Fälligkeitstag in die von ihm erwartete Richtung bewegt. Dann kann er den abgeschlossenen Vertrag mit Gewinn rückgängig machen. Die große Frage ist nun: Kann er trotzdem Preissteigerungen verursachen? Das wird oft behauptet, aber die Begründungen sind selten überzeugend.
- Unstrittig ist, dass der Kauf des Vertrags an der Terminbörse zu diesem Zeitpunkt die Nachfrage und damit tendenziell auch den Preis erhöht.
- Sobald er aber verkauft, wirkt dies wieder genau entgegengesetzt. Wenn sich die Preiserwartungen nicht geändert haben, ergibt sich wieder der ursprüngliche Preis.
Vergleich
Wenn ich als Spekulant Verträge über den Kauf von 100 Wohnungen unterzeichne, verursache ich in dem Moment eine Preissteigerung. Wenn ich die Wohnungen daraufhin notverkaufe (weil ich ja gar nicht einziehen will), sinken die Preise zumindest wieder auf das Ausgangsniveau, wenn nicht noch darunter. Das liegt einfach am Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.
Lagerhaltung
Wer hingegen die Ware tatsächlich besitzt oder sich auf Lager legen kann, der kann preistreibend spekulieren, indem er bei einem Preisanstieg seine Ware hortet oder sogar neue Ware aufkauft. Dadurch verknappt er das Angebot und lässt den Marktpreis für alle steigen.
Über diesen Umweg können die "rein finanziellen" Spekulanten dann doch für Preisstiegerungen verantwortlich sein:
- Wenn die Spekulanten kurz vor Fälligkeit verkaufen, drücken sie den Preis. Verträge mit einem späteren Lieferdatum bleiben hoch (solange die Spekulanten an die Fortsetzung des Anstiegs glauben und weiter investieren).
- Dadurch kann jeder, der ein Lager besitzt, einen risikolosen Gewinn erzielen, indem er neue Ware kauft (oder einen bereits erfolgten Verkauf rückgängig macht) und gleichzeitig zu einem höheren Preis in der nächsten Lieferperiode verkauft.
Die Möglichkeit der Lagerhaltung ist entscheidend. Ohne Lagerhaltung kann der hohe Preis einer Periode nicht in die nächste Periode "hinübergerettet" werden. Deswegen ist am Strommarkt, wo Lagerhaltung praktisch unmöglich ist (min. 20% Verlust bei der Stromspeicherung), meines Erachtens keine spekulative Preissteigerung, die länger als bis zum nächsten Lieferbeginn anhält, möglich.
Unsicherheiten
Was die Besitzer der Lager wirklich tun, ist in vielen Fällen kaum bekannt.[1] Z. B. ist in China die Menge der staatlichen Lagerbestände ein Staatsgeheimnis.[2]
Zudem stiegen während der letzten großen Rohstoffpreissteigerung in den Jahren 2006–
Mein Fazit
Nicht nur die Terminmarktinvestoren sondern vor allem auch die Besitzer der Lager sollten überwacht und ggf. reguliert werden. Aufgrund unzureichender Daten kann derzeit nicht seriös behauptet werden, dass Spekulanten für überhöhte Preise verantwortlich sind. Preise können auch aus anderen Gründen steigen.
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Quellen
| [1] | Was die Rohstoffpreise treibt, Zeit online, 6/2011 – "Informationen über die tatsächlichen Angebots- und Nachfragebedingungen, zum Beispiel über die Lagerbestände, sind sehr unvollkommen" |
| [2] | Hohe Agrarpreise – Mehr Hunger oder mehr Chancen für den ländlichen Raum? (PDF, 1 MB), S. 4 |
| [3] | Deutsches Wirtschaftsministerium: Schlaglichter der Wirtschaftspolitik, 1.7.2011 |