ÖBB-Tarifdschungel
Es gibt meines Erachtens zu viele Tarife bei den ÖBB. Ich habe tagelang die verschiedenen Preise und die Bedingungen, unter denen sie gelten, studiert. Der Rechnungshof zählte 241 verschiedene ÖBB-
Keine Bestpreisgarantie
- Manchmal gibt es unterschiedliche Fahrpreise am Automaten, am Schalter und via Handy. Kompliziert wird es durch die Verkehrsverbünde mit ihren eigenen Tarifen. Die Automaten bieten im Zweifelsfall oft das teurere Ticket (die gleiche Strecke bis zu 100% teurer).
- Die Wahl des Abfahrtsorts in Wien bringt erstaunlich viele Variationen zutage, berichtet Der Standard: Von Wien-
Süßenbrunn bis zur Grenzstation Breclav kostet die Fahrt 12 Euro, ab Westbahnhof 22,40 Euro und ab Meidling 20,60 Euro.
Noch komplizierter wird es durch die Kombinationsmöglichkeiten von Verbund- und ÖBB-
- Wer von Graz nach Wien mit zwei Verbundkarten (die günstiger als eine ÖBB-
Karte sind) reisen will, müsste am Semmering aussteigen und mit dem nächsten Zug weiterfahren. - Bei der Fahrt von Wien nach Bratislava kann eine Stückelung in ein Verbund-
Ticket bis Siebenbrunn- Leopoldsdorf und von dort nach Bratislava um einige Euro günstiger als ein direktes Ticket sein, schreibt ein Benutzer. Ähnliches berichtet der Verein für Konsumenteninformation über die Strecke Salzburg – Wien. - Von St. Valentin nach Linz kann man sowohl im niederösterreichischen als auch im oberösterreichischen Verkehrsverbund fahren. Die Preise unterscheiden sich. Am Automaten wird standardmäßig (mit versteckter Umschaltmöglichkeit!) der teurere Tarif verrechnet, am Schalter manchmal der günstigere.
- Hin- und Rückfahrt kann wegen der Verbundtarife unterschiedlich viel kosten.
- Ein Vorteilsticket (normalerweise 45–
50% ermäßigt) kann teurer als ein normales Ticket des regionalen Verkehrsverbunds sein!
Preisrätsel und Paradoxien
- Bei Auslandstickets können die Preise Glückssache sein.
- Wegen Sonderpreisangeboten im grenzüberschreitenden Verkehr kann auf der gleichen Bahnstrecke eine kürzere Fahrt teurer als die Fahrt bis ins Ausland sein (z. B. Wien – Retz versus Wien – Znaim oder Wien – Marchegg versus Wien – Bratislava mit EURegio). Lt. Rechnungshof beträgt die Differenz 30–
60%, im Extremfall sogar ein Dreifaches.[1] - Paradox ist auch, dass auf längeren Strecken ein Einfach-
Raus- für zwei Personen günstiger als ein Ticket für eine Person ist (und die eine Person darf kein Einfach-Ticket Raus- Ticket für sich alleine kaufen). Außerdem darf beim Einfach- Raus- Ticket kein Gruppenmitglied früher aussteigen und die genaue Anzahl der Reisenden muss vor dem Kauf des Tickets festgelegt werden. Alles doch nicht so einfach ... - Es gab auch schon eine "geheime" Gratis-
Gutschein- .Aktion
Kritik
Neben Rechnungshof und Konsumentenschützern kritisiert auch die Schienen-
Weiter
Weblinks
- Bahnfüchse – Ein Spezialreisebüro, das "ungefragt den besten Preis aus dem 'Tarifdschungel' herausholt", auch in Österreich
Quellen
| [1] | Rechnungshof: Reihe Bund 2010/3 (PDF, 3 MB), S. 152 (im PDF S. 156) |