Preisausreißer in der Marktwirtschaft
Wie kommt es, dass Preise manchmal regelrechte Sprünge machen und von den Kosten besonders weit nach oben oder unten abweichen? In den Jahren nach 2000 bis heute kam es an den Rohstoffmärkten zu Preisschwankungen, die zuvor nicht in diesem Ausmaß bekannt waren. Sind das Auswüchse einer zunehmenden Spekulation?
Ölpreis
Dass ungefähr seit der Jahrtausendwende bei vielen Preisen eine erhöhte Schwankungsfreudigkeit beobachtet wird, überrascht mich nicht, denn auch der Ölpreis verfünffachte sich in dieser Periode zeitweise. Am Preis von Öl orientieren sich auch die Preise von anderen Energieformen, und da die Gewinnung von Rohstoffen meist energieintensiv ist, machen diese die Preisschwankungen ebenfalls mit – auch wenn sie nicht von Spekulanten gehandelt werden.[1]
Inflexible Nachfrage
Wie kann es sein, dass eine kleine Änderung zu einem großen Preisausschlag führt? Leute, die nicht genau wissen, wie die Preisbildung in der Marktwirtschaft funktioniert, sind oft überzeugt, dass der Preis um max. 10% steigen sollte, wenn das Angebot um 10% sinkt (z. B. im Fall einer Missernte). In Wirklichkeit ist die Nachfrage nicht so stark vom Preis abhängig. So ist z. B. der Weltzuckermarkt von starken Überschuss- und Mangelsituationen geprägt:
- Entweder es gibt mehr Zucker, als die Menschen essen wollen – dann sinkt der Preis ins Bodenlose, denn ein niedrigerer Preis ist kaum ein Anreiz zu höherem Verbrauch
- oder der Zucker reicht nicht für alle – dann steigt der Preis so lange, bis jemand verzichten muss.
An der Grenze zwischen Überschuss und Mangel können auf diese Weise auch sehr kleine Angebotsänderungen zu kräftigen Preisausschlägen führen.
Vergleich
Eine Gruppe Wanderer will die Sahara-
Subventionen
Der Anbau von Biomasse zur Gewinnung erneuerbarer Energie wird massiv gefördert. Selbst wenn es stimmt, dass weltweit nur 4,5% der Anbauflächen für Biosprit verwendet werden, kann der geförderte Anbau als Preistreiber wirken, denn die Bauern haben nun ein starkes Argument für Preisverhandlungen:
Entweder du zahlst mir für Lebensmittel mehr, oder ich bau Energiepflanzen an!
Auf den Prozentanteil kommt es da gar nicht an. Selbst wenn kein einziger Acker mit Energiepflanzen bestellt werden würde – allein die Möglichkeit, damit mehr verdienen zu können, würde die Preise bereits steigen lassen! Entscheidend ist lediglich, dass die Förderung unbegrenzt oder für hinreichend große Mengen gewährt wird, damit die inflexible Nachfrage nach Lebensmitteln in Konkurrenz zu der subventionierten Nachfrage nach Bioenergie gerät.
Vergleich
Angenommen, Bill Gates stellt unbegrenzt Anwälte ein und zahlt jedem ein Gehalt von 10 000 EUR/Monat. Alle anderen Firmen, die derzeit Anwälte beschäftigen, müssten ihnen dann ebenso viel zahlen, wenn sie sie behalten wollen. Nehmen wir weiter an, dass keine der Firmen auf einen Anwalt verzichten kann, dann hat Bill Gates die Gehälter der Anwälte erhöht, ohne auch nur einen einzigen abgeworben zu haben.
Marktsperren
Wenn Preise steigen, verhängen Länder manchmal ein Exportverbot (z. B. von Reis oder Weizen), um ihre Bevölkerung zu entlasten, da durch die entfallende Auslandsnachfrage die Preise in dem Land sinken. Auf dem Weltmarkt verschärfen sie hingegen den Mangel und verstärken den Preisausreißer. Zudem haben die Produzenten in dem abgeschotteten Land einen geringeren Anreiz, die Produktion auszuweiten, da sie aufgrund des Exportverbots nur den künstlich niedrig gehaltenen Preis bekämen.
Wird im umgekehrten Fall – bei zu niedrigen Preisen – ein Importverbot erlassen, hilft das den inländischen Produzenten, lässt dafür aber den Weltmarktpreises noch weiter nach unten rasseln.
Zukunftsaussichten
Immer wieder wundert man sich, wieso es zu einem Preisausreißer kommt, wo doch derzeit Angebot und Nachfrage im Einklang sind. – Ja, derzeit, aber bei lagerfähigen Gütern zählen die Preiserwartungen für die Zukunft. Nur wenn die Erwartungen ohne objektiven Grund steigen, handelt es sich um eine spekulative Blase.