Mario Sedlak
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Positionen zum Elektroauto

Über das Elektroauto gehen die Meinungen erstaunlich weit auseinander.

Umweltschutzorganisationen

Der Riss zwischen Befürwortern und Gegnern von Elektroautos geht mitten durch die Umweltverbände. Auffallend ist, wie unterschiedlich das Elektroauto in Österreich und Deutschland gesehen wird.

Österreich Deutschland
  • Greenpeace in Österreich fordert einen gesetzlichen Fahrplan für E-Mobilität.
    Elektrofahrzeuge sollen so schnell wie möglich kommen, wobei nur Strom aus erneuerbarer Energie für ihren Antrieb verwendet werden soll. Anschaffung und Betrieb der Fahrzeuge sowie Ausbau der Ladestationen sollen aus öffentlichen Geldern stark genug subventioniert werden, damit es zu einem Boom kommt, heißt es in einer Studie[1], wobei an anderer Stelle zugegeben wird: "Im Verkehrsbereich muss das enorme Effizienzpotenzial ausgeschöpft werden, bevor neue Technologien wie beispielsweise Hybridfahrzeuge oder elektrische Autos eine bedeutende Rolle spielen können."[2]
  • Für Greenpeace Deutschland sind Elektroautos kein Beitrag zum Klimaschutz, weil sie nur scheinbar emissionsfrei fahren. Stattdessen sollten die konventionellen Autos verbessert werden. Elektroautos können höchstens mittel- und langfristig helfen, die individuelle Mobilität klimafreundlich zu gestalten.
  • Der Verkehrsclub Österreich lehnt hohe staatliche Förderungen für den Kauf von Elektroautos ab. "Der Ersatz von konventionellen Fahrzeugen durch Elektro-Fahrzeuge ist weder ökologisch noch wirtschaftlich eine Lösung der bestehenden Verkehrs- und Umweltprobleme. ... Elektro-Fahrzeuge können aber als Teil einer multimodalen Zukunft gesehen werden."[3] Und da es so viele Wasserkraftwerke in Österreich gibt, habe das Elektroauto hierzulande ein großes Potenzial zur Senkung von Kohlendioxid-Emissionen im Autoverkehr.[4] Der Strom müsse aber unbedingt aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Weil Elektroautos im Betrieb billiger als normale Autos sind, bestehe die Gefahr, dass Elektroautofahrer seltener mit den Öffentlichen oder mit dem Fahrrad fahren.[5] Das Elektroauto werde ein Umdenken und Umlenken Richtung Gehen, Radfahren und öffentlicher Verkehr nicht ersetzen. Die Zahl der Autos, egal mit welchem Antrieb, müsse verringert werden.
  • Der Verkehrsclub Deutschland steht auf dem Standpunkt, dass Elektroautos erst dann keine Kohlendioxid-Emissionen verursachen, wenn es (fast) nur noch saubere Kraftwerke gibt. Das Argument, der Strom käme aus zusätzlich gebauten, emissionsfreien Kraftwerken oder von Solarzellen am Dach des Elektroautofahrers, und deswegen dürfe man den CO2-Ausstoß von Elektroautos auf 0 setzen, hält er für nicht stichhaltig.[6] Seiner Meinung nach ist es effektiver, Solarstrom zum Ersatz von Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken zu nutzen.
  • Der WWF Österreich positioniert sich nur langfristig: Bis 2050 sieht er eine massive Zunahme von Elektroautos vonnöten, um die Energiewende zu schaffen. Der durchschnittliche Verbrauch dürfe maximal 12 kWh/100 km betragen. Öffentlicher und nichtmotorisierter Verkehr müssten einen Anteil von 50% erreichen.[7]
  • Der WWF Deutschland fordert eine zügige Markteinführung von Elektroautos. Bis 2020 verspricht er sich davon zwar nur 1% weniger Emissionen im Autoverkehr, aber langfristig sei das der vielversprechendste Pfad. Zeitgleich müssten auch konventionelle Fahrzeuge wesentlich effizienter und die erneuerbaren Energien über die jetzigen Ziele hinaus ausgebaut werden. Die Zielwerte im EU-weiten Handel mit Verschmutzungsrechten, welche zum Ausstoß von Kohlendioxid berechtigen und zu denen die Verkehrsemissionen durch Elektroautos umgelagert werden, dürfen nicht erhöht werden.
  • Global 2000 meint: "Das Elektroauto hat ... Zukunft. Allerdings wird es bei unserem derzeitigen Mobilitätsverhalten die konventionellen Autos nicht 1:1 ersetzen können und sollen."
  • Werner Neumann, Energiefachmann des BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (wie Global 2000 Mitglied bei Friends of the Earth), sieht die Vision ungezügelter Mobilität mit Hilfe elektrischer Antriebe skeptisch: "Elektroautos werden die CO2-Emissionen der Autoflotte bis 2020 nur marginal verringern." Sofern die Elektroautos effizienter, kleiner und leichter
    werden, erachtet sie der BUND für eine sinnvolle Zukunftsoption. Der Strom müsse aus zusätzlicher erneuerbarer Energie kommen (wobei der BUND selbst nicht sagen kann, wie das sichergestellt werden kann, weil neue Ökostrom-Kraftwerke bereits über die Ökostrom-Förderung finanziert und gebaut werden). Der öffentliche Verkehr müsse weiterhin Vorrang haben. Als Zweit- und Drittauto in Städten lehnt der BUND Elektroautos ab.[8]
  • Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor "undifferenzierter Euphorie hinsichtlich der Elektromobilität" und vor einem Verkehrskollaps, den Elektroautos als Zweit- und Drittauto ihrer Ansicht nach bewirken würden.

Autofahrerclubs

Österreich Deutschland
  • Der ÖAMTC spricht sich "weder für noch gegen Elektromobilität aus, bevor ... auf aussagekräftige Ergebnisse verwiesen werden kann."[9]
  • "Experten glauben an die Zukunft des Verbrennungsmotors", berichtet der Arbö.[10]
  • In Wahrheit werde es auf Jahre keine Elektroautos geben, deren Nutzwert auch nur annähernd an Autos mit Verbrennungsmotor heranreicht, betont ein ADAC-Experte. Mehr als 200–300 km Reichweite seien nicht drin. Erste Elektro-Serienmodelle mit Preisen von rund 40 000 Euro und einer Größe, die nicht einmal an einen VW-Polo heranreicht, seien viel zu teuer. Außerdem sei das Unfallverhalten der Akkus noch nicht ausreichend getestet.

Politik

Österreich Deutschland
  • Die Grünen wissen genau: "Gerade für eine Großstadt wie Wien sind Elektrofahrzeuge eine besonders clevere und ökologische Alternative zum herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor."

Meine Position

Österreich und Deutschland haben ein gemeinsames Stromnetz und einen gemeinsamen Strommarkt. Die Wasserkraft, die wir nicht verbrauchen, wird u. a. nach Deutschland exportiert und ersetzt dort Wärmekraftwerke, die fossile Energie verbrauchen. Dass trotzdem Elektroautos hierzulande deutlich positiver bewertet werden als in Deutschland, wo es viele Kohle- und Atomkraftwerke gibt, ist ein Missverständnis über die Umweltwirkungen durch den Verbrauch von Strom. Es ist absurd, dass ein in Passau geladenes Elektroauto für mehr Kohlendioxid-Ausstoß verantwortlich sein soll, als wenn es ein paar Kilometer über die Grenze nach Österreich zum Tanken fährt. In Wirklichkeit verzögert jeder zusätzliche Stromverbrauch – egal, wo – die Energiewende.

Die Position von Skeptikern wie Greenpeace Deutschland und dem Verkehrsclub Deutschland ist meines Erachtens korrekt. Sie verdienen Lob, dass sie dem großen Druck aus den Reihen der zahlreichen Begeisterer standhalten.

Weiter

Zukunft von Elektroautos – Auch da unterscheiden sich die Einschätzungen drastisch.

Siehe auch

Quellen

[1] Energy Revolution 2050. Der Weg zu einer sauberen Energie-Zukunft für Österreich, Studie des Instituts für Höhere Studien im Auftrag von Greenpeace u. a., S. 126 (im PDF S. 140)
[2] Energy Revolution 2050, S. 24 (im PDF S. 38)
[3] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 13
[4] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 9f.
[5] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 23
[6] Verkehrsclub Deutschland: Position Elektromobilität (PDF), S. 4
[7] WWF: Factsheet Energiezukunft Österreich 2050, (PDF) S. 3
[8] BUND-Position für eine zukunftsfähige Elektromobilität (PDF), S. 3 und 8
[9] Auto-Touring. Das ÖAMTC-Magazin, 3/2011, S. 79
[10] Freie Fahrt. Das Klubjournal des Arbö, 4/2010, S. 32